25.09.2018 21:02:19 | Thomas Birgels
Bericht über den Jugend-Retter-Tag
24 Stunden wie die Großen – Jugend Retter Tag 2018
 
Samstag der 15.09.2018. Es ist halb sieben, noch ist es dunkel. Doch die Feuerwache in Oppum ist schon hell erleuchtet. Ein reges Treiben ist wahrzunehmen. Immer mehr Jugendliche werden von ihren Eltern gebracht. Im Gepäck: Isomatte, Schlafsack und natürlich die Einsatzkleidung der Jugendfeuerwehr und der Malteser. Es ist der Jugend-Retter Tag 2018. Umgangssprachlich auch Berufsfeuerwehrtag genannt. Rund 30 Jugendliche der SEG Jugend des Malteser Hilfsdienstes und der Jugendfeuerwehr Krefeld Süd-Ost treten pünktlich um 07:30 in Zweierreihe vor der Feuerwache an, um ihren Dienst zu übernehmen. Ab jetzt wird es ernst. Für 24 Stunden „spielen“ sie die Aufgaben einer Berufsfeuerwehr inklusive Rettungsdienstes durch. Jedoch fahren sie nur Übungseinsätze, aber auch die werden die 12-18-Jährigen an ihre Grenzen bringen.
Leiter der Jugendfeuerwehr ist Thomas Birgels, er begrüßt die Jugendlichen und verteilt die Aufgaben. Es ist das erste Mal, dass Jugendfeuerwehr und SEG Jugend in diesem Rahmen zusammenarbeiten. Lediglich ein Kennenlerntreffen hat es gegeben (Wir berichteten.)
Nach der Begrüßung geht es an die Fahrzeugübernahme. Ein Einsatzleitwagen (Malteser/Feuerwehr), zwei Löschgruppenfahrzeuge (später wird das 1. Löschfahrzeug durch ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug ersetzt), ein Rettungs- und ein Krankentransportwagen sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug müssen überprüft und einsatzklar gemacht werden. Eine gute Möglichkeit sich noch einmal mit dem Material vertraut zu machen. Kurz darauf ertönt über die Lautsprecheranlage ein Alarmton, Einsatz für den Rettungswagen 1. Im Lohbruchweg kam es zu einem Arbeitsunfall. Umgehend rückt das Einsatzfahrzeug aus.
 
Der Rettungswagen ist noch nicht zurück auf der Wache, da melden Anrufer in Gellep-Stratum einen ausgelösten Heimrauchmelder, ein Mann soll auf dem Balkon um Hilfe schreien. Sofort rückt der gesamte Löschzug gemeinsam mit dem Rettungsdienst aus. Ca 8 Minuten dauert die Fahrt bis zur Einsatzstelle. Die Jugendlichen sind aufgeregt. Schnell vergessen sie, dass es sich nur um eine Übung handelt. An der Einsatzstelle angekommen, gehen der Zugführer und die beiden Gruppenführer zur Erkundung vor. Als erstes muss jetzt die Menschenrettung eingeleitet werden. Neben der Person, welche sich auf dem Balkon befindet und anscheinend keine Möglichkeit hat zurück in die Wohnung zu gelangen, soll sich auch noch ein Kind in der betroffenen Wohnung befinden. Marie, das einzige Mädchen der Jugendfeuerwehr und erst seit kurzem dabei, betreut den aufgeregten Mann (Statist) von unten und beruhigt ihn. Ein Trupp geht über die Steckleiter vor und öffnet das Fenster mit einem speziellen Öffnungsset. Danach wird die Person vom Balkon über das Treppenhaus in Sicherheit gebracht. Ein zweiter Trupp geht zur Brandbekämpfung, in die mit Diskonebel verrauchte, Wohnung vor. Die Sicht ist schlecht. Der Brandherd soll sich in der Küche befinden. Diese lokalisieren die Kräfte schnell und können die Gefahr „ausschalten“. Auch das Kind konnte schnell in Sicherheit gebracht und mit einem weiteren Trupp ins Freie geführt werden.
Ab hier übernehmen die Jugendlichen der SEG Jugend. Überprüfung der Vitalfunktionen, Blutdruck messen und Gabe von Sauerstoff werden geübt. Nach rund 30 Minuten ist der Einsatz beendet und die Kräfte können wieder einrücken. Engin Sentürk vom Angriffstrupp ist sichtlich erleichtert, dass alles reibungslos lief und er eine Person „retten“ konnte.
 
Zurück auf der Wache gibt es erstmal etwas zur Stärkung. Das Frühstück steht auf dem Plan und zum Glück ohne weiteren Einsatz. Doch für die Rettungswagenbesatzung geht es auch schon bald weiter. Eine gestürzte Person auf der Bischofsstraße. Auch hier reagieren die Jugendlichen schnell und versorgen den Patienten vor Ort und bringen ihn anschließend in ein fiktives Krankenhaus. Während der Rettungswagen noch unterwegs ist, wird das Löschfahrzeug 2 zu einem Wassereinbruch alarmiert. Eine Baugrube (Pool) soll voll Wasser gelaufen sein. Die Jugendlichen beginnen nach der Erkundung des Gruppenführers mit einer Tauchpumpe das Wasser abzupumpen und können auch hier nach rund 40 Minuten den Einsatz beenden.
 
Das Vorbereitungsteam, welches die einzelnen Übungseinsätze vorbereitet, ist währenddessen auf dem Weg zum Berufskolleg Uerdingen. Hier soll der wohl größte Einsatz des Tages, zumindest für den Rettungsdienst stattfinden. Die Jugendlichen auf der Feuerwache in der Heinrich-Malina-Straße ahnen davon noch nichts. Hier starten gerade die ersten richtigen Annäherungsversuche zwischen Jugendfeuerwehr und SEG Jugend. Dann ertönt der Alarmgong. Erneut Einsatz für den gesamten Löschzug. Die Brandmeldeanlage im Berufskolleg Uerdingen hat ausgelöst. Viele denken jetzt noch an einen Fehlalarm. Der Einsatzleiter veranlasst kurz vor Ankunft, dass die Löschfahrzeuge und der Rettungsdienst auf dem Parkplatz in Bereitschaft bleiben sollen. Als er sich dann aber dem Haupteingang nähert, dort wo sich die Brandmeldezentrale befindet, kommen ihm bereits zwei aufgeregte Mädchen entgegen, welche über Atemwegsreizungen klagen. Sofort lässt er die beiden Löschfahrzeuge auf den Vorplatz auffahren. Es stellt sich auch heraus, dass noch vier weitere Personen im Gebäude vermisst werden. Ein Großeinsatz, das steht fest. Der Rettungsdienst kümmert sich derweil um die ersten beiden Verletzten, während sich der erste Trupp zur Menschenrettung auf den Weg macht.  Nach und nach bringen die Trupps der Feuerwehr die Verletzten zum Behandlungsplatz. Der fingierte Brand eines OHP an sich ist schnell bekämpft. Jetzt muss der Rettungsdienst ran. Insgesamt sechs Verletzte gilt es zu betreuen und zu versorgen. Die Notärztin sichtet alle Betroffenen und verteilt diese dann gemeinsam mit dem Führer Behandlungsplatz auf die einzelnen Trupps. Für Pauline, eine Helferin der SEG Jugend, war die Situation zuerst etwas überfordernd, erzählt sie uns in einem Gespräch.
er Einsatz am BKU kann nach rund 1,5 Stunden beendet werden.
 
Auf der Wache zurück, gibt es als kleine Stärkung Kuchen. Der Rettungswagen rückt dabei noch zu einem weiteren Einsatz aus.
 
Am Rheinufer in Uerdingen steigt währenddessen Rauch auf. Ein Container brennt. Die Leitstelle „Jugend“ alarmiert umgehend das Löschfahrzeug 1 und den Rettungsdienst.  Ein Kind, welches das Feuer löschen wollte, verbrannte sich die Hände (fiktiv!). Der Angriffstrupp leitet sofort einen Löschangriff mittels Schnellangriff ein und kann den Brand sehr schnell löschen. Auf der Feuerwache ertönt währenddessen der Alarm für den Einsatzleitwagen und das Löschfahrzeug 2. In der Nähe des Sportplatzes in Oppum verlor ein PKW Kraftstoff. Durch die Besatzung des Löschfahrzeuges 2 wurde dieser abgestreut und aufgenommen und damit eine weitere Gefahr für die Umwelt gebannt.
Um 16:30 sind dann alle Kräfte wieder auf der Feuerwache. Der ehrenamtliche Geschäftsführer der Malteser, Dietmar Klabunde, stattet der Wachmannschaft einen Besuch ab und bedankt sich für den Einsatz der Jugendlichen und ist sichtlich stolz auf die Kooperation von Jugendfeuerwehr und SEG Jugend.
 
Nachdem alle etwas zur Ruhe gekommen sind, werden durch Alexander Goebels, Rettungsassistent der Malteser und heute Führungsassistent auf dem Einsatzleitwagen, die Erste-Hilfe Kenntnisse der Jugendlichen aufgefrischt. Höhepunkt ist das Erlernen des Umganges mit einem Spineboard. Was die Jugendlichen zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass gerade Erlernte muss schon bald in die Praxis umgesetzt werden.
 
Am frühen Abend wird die Wachmannschaft der Feuerwache Süd-Ost zu einem schweren Verkehrsunfall alarmiert. Auf einem Firmengelände in Gellep-Stratum hat es einen Unfall mit mehreren Verletzten gegeben. Als die Einsatzkräfte eintreffen, steigt bereits schwarzer Rauch aus einem der PKW hervor. Ein Passant (fiktiv), welcher den Unfall beobachtete, fängt mit einem verletzten Kind in seinen Armen die Besatzung des ersten Rettungswagens ab. In einem PKW sind zwei Personen schwer eingeklemmt, eine dritte Person liegt etwas abseits leblos auf dem Boden. Sofort teilen sich die Rettungskräfte auf. Während das Löschfahrzeug 2 den brennenden PKW löscht, baut die Besatzung des Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuges die technische Rettung auf. Der Rettungsdienst beginnt umgehend mit der Versorgung des verletzten Kindes, ein weiterer Trupp reanimiert die leblose Person, vergebens. Die Notärztin kümmert sich zusammen mit weiteren Helfern um die beiden eingeklemmten. Stress an allen Fronten für die Jugendlichen. In Gesprächen erfahren wir, dass spätestens hier der Gedanke an eine Übung verloren ging. Die Rettung der Personen im schwer deformierten Fahrzeug gestaltet sich zunehmend als schwierig. Rund 45 Minuten dauert es, bis die Jugendlichen die Person schonend retten können. Ein Kraftakt, welchen man den Jugendlichen ansieht.
Im Anschluss an diesen kräftezehrenden Einsatz, gibt es erstmal etwas Richtiges zu Essen. Um 22:00 Uhr startet die Bereitschaftszeit. Viele Jugendliche sitzen noch in Gruppen zusammen, andere legen sich bereits hin.
 
Währenddessen auf dem Platz vor der Kirche in Oppum. Zwei Jugendliche fangen an sich zu prügeln. Einer geht zu Boden. Ein Passant, welcher noch versucht die beiden zu trennen, ruft den Rettungsdienst. Umgehend rückt der Rettungswagen zum nahe gelegenen Einsatzort aus. Eine akute und vor allem neue Situation für die Besatzung. Während der Rettungswagen vorfährt, tritt der Angreifer auf den am Boden liegenden ein und flüchtet dann ebenfalls mit leichten Verletzungen. Die Besatzung kümmerte sich zuerst um den am Boden liegenden. Der Leichtverletzte wurde zur Behandlung direkt in den Rettungswagen gerufen, wo es zu einer weiteren verbalen Auseinandersetzung mit dem Passanten kam, welcher zuvor den Notruf wählte. In der Zwischenzeit wurde der Notarzt und der Krankentransportwagen nachgefordert, um genügend Personal an der Einsatzstelle zu haben. Als diese vor Ort eintreffen, bricht der Anrufer zusammen. Da es sich um einen Patienten mit Adipositas handelt, wird noch ein Löschfahrzeug zur Tragehilfe nachgefordert. Gemeinsam werden alle drei Patienten versorgt und in Krankenhäuser gebracht.
Von einen Einsatz direkt zum nächsten
 
Noch während die Einsatzkräfte auf dem Rückweg zur Wache waren, ging der nächste Notruf in der Leitstelle ein. Im Rheinhafen brannten mehrere Strohballen. Schon auf der Anfahrt war eine Rauchentwicklung wahrnehmbar. Der Einsatzleiter veranlasste, dass die Löschfahrzeuge einen Löschangriff mit insgesamt drei C-Rohren einleiten. Zuvor sollten die Haufen jedoch auseinandergezogen werden. Um die Situation für die Jugendlichen spannender zu machen, simulierte ein Feuerwehrmann einen Kreislaufzusammenbruch. Die in Bereitschaft stehenden Sanitäter/innen kümmerten sich umgehend um den Verletzten Kameraden und brachten diesen in den Rettungswagen. Nach gut einer Stunde war der Einsatz beendet und die Mannschaft konnte zur wohlverdienten Nachtruhe einrücken.
Doch für einige Jugendlichen war nicht daran zu denken nur ein Auge zu zu machen. Einige Mädchen der Malteser haben, in voller Erwartung weiterer Einsätze, die Nacht sogar in ihrer Uniform verbracht. Doch sie wurden enttäuscht. Erst um kurz nach sechs tat sich wieder was auf der Wache. Verschlafene Gestalten wandelten über die Flure. Um Punkt 06:30 Uhr ertönte die Alarmierung. Für viele das Ende einer kurzen Nacht. In Uerdingen hatte ein Heimrauchmelder ausgelöst. Mit dem gesamten Löschzug ging es von Oppum aus zur Parkstraße in den Uerdinger Norden. Vor Ort angekommen, war das Piepen des Rauchmelders schon im Flur zu vernehmen. Der erste Angriffstrupp suchte die gesamte Etage nach eventuellen Opfern ab. Im Anschluss verschafften sie sich mittels Ziehfix einen Zugang zum betroffenen Raum. Hier konnte jedoch kein Brand festgestellt werden. Im Verlauf der Übung haben beide Gruppenführer Probleme mit dem Kreislauf bekommen und mussten durch den Rettungsdienst versorgt werden.
Auf der Wache zurück, gab es Frühstück und alle ließen die vergangenen 24 Stunden noch einmal Revue passieren. Nach dem Frühstück ging es gemeinschaftlich an das Aufräumen und Putzen der Wache. Die Fahrzeuge wurden wieder einsatzbereit gemacht und die provisorischen Schlafräume wieder in den Unterrichtsraum verwandelt. In der Abschlussbesprechung wurde dann nochmal seitens der Ausbilder ein durchweg positives Fazit gezogen. Man möchte die Zusammenarbeit weiter beibehalten heißt es sowohl von Michael Thissen (Leiter SEG Jugend), als auch von Thomas Birgels (Jugendwart Jugendfeuerwehr Süd-Ost).
Blaulicht-News Krefeld wird auch in Zukunft diese Kooperation weiter begleiten. Das Team von BNK sagt danke für die kameradschaftlich, offene Zusammenarbeit und bis bald!
 
 
Bericht: Leonhard Giesberts (BNK-Redaktionsleiter), Georg Rudolph (CvD Planung)
Bilder: Leon Höffges, Leonhard Giesberts